Die Kombination aus Yachting und Luxusimmobilien bildet den Inbegriff des High-End-Lebensstils. Hochwertige Immobilien nahe am Wasser, wie Villen in Port Adriano in Mallorca, Ibiza oder Porto Montenegro, bieten oft exklusive Liegeplätze und dienen als ideale Basis für Yachten verschiedenster Größen. Im Laufe der Jahre haben wir nicht wenige Yachtbesitzer kennengelernt, die neben der Yacht im Heimathafen auch eine Immobilie besitzen.
Wir haben mit den österreichischen Immobilienexperten Clemens Riha und Bernhard Riha gesprochen, welche sich im Laufe der Jahre auch auf exklusive Luxusimmobilien spezialisiert hatten.
BOOT Online: Wer sich eine Villa nahe am Wasser kauft, erwirbt früher oder später auch ein Boot. Ist das Eurer Erfahrung nach tatsächlich so?
Bernhard Riha: Das beobachten wir tatsächlich sehr häufig. Wer sich für eine Wasserlage entscheidet, will das Wasser irgendwann nicht nur anschauen, sondern auch nutzen. Am Anfang steht oft nur der Blick aufs Meer oder den See, aber sobald der eigene Liegeplatz oder Steg vorhanden ist, kommt fast automatisch der Wunsch nach einem Boot dazu – und sei es nur ein kleines für den Ausflug am Nachmittag.
Clemens Riha: Ich würde sagen, es ist eher die Regel als die Ausnahme. Die Immobilie schafft die Infrastruktur – Liegeplatz, Zufahrt, oft auch die passende Nachbarschaft – und das Boot ist dann der logische nächste Schritt, um diese Infrastruktur auch wirklich zu leben.
BOOT Online: Wie ergänzen sich heutzutage Immobilien- und Yachtmärkte?
Bernhard Riha: Sehr eng. Marinas mit guter Infrastruktur ziehen automatisch hochwertige
Immobilienentwicklung in ihrer Umgebung nach sich, und umgekehrt steigert eine attraktive Wohnbebauung wieder den Wert und die Auslastung der Marina. Das sind zwei Märkte, die sich gegenseitig hochziehen, wenn man sie gut plant.
Clemens Riha: Für uns als Immobilienleute ist interessant, dass der Yachtmarkt oft der Frühindikator ist: Wo neue oder ausgebaute Marinas entstehen, zieht die Immobiliennachfrage meistens kurz danach nach. Wer das im Blick hat, kann Standorte oft schon erkennen, bevor sie in aller Munde sind.
BOOT Online: Was macht mehr Sinn für Yachtbesitzer: Der Kauf oder die Miete einer Luxusimmobilie nahe dem Heimathafen der Yacht?
Bernhard Riha: Das hängt stark davon ab, wie oft und wie regelmäßig man den Standort tatsächlich nutzt. Wer mehrere Monate im Jahr vor Ort ist, für den rechnet sich Eigentum meist schneller, allein schon wegen der Wertentwicklung und weil man sich sein Umfeld selbst gestalten kann. Wer nur wenige Wochen im Jahr da ist, für den ist Miete oft die entspanntere Lösung.
Clemens Riha: Ich sehe das ähnlich, würde aber ergänzen: Eigentum lohnt sich vor allem dann, wenn die Immobilie auch als Wertanlage gedacht ist, unabhängig von der Yacht. Wenn es rein um die Nähe zum Liegeplatz geht, ist Miete oft die pragmatischere Wahl, gerade bei wechselnden Reviersaisonen.
BOOT Online: In der Bucht von Kotor in Montenegro werden z. B. direkt in Marinas luxuriöse Häuser oder Apartments angeboten. Können Sie Interessenten solche Immobilien innerhalb Marinas empfehlen?
Bernhard Riha: Grundsätzlich sind Wohnungen oder Häuser direkt in einer Marina eine sehr attraktive Nische, gerade weil sie Liegeplatz und Wohnen räumlich zusammenbringen. Konkrete Projekte in Kotor kenne ich im Detail zu wenig, um sie seriös zu empfehlen – da würde ich Interessenten raten, sich Bauträger und Marina-Betreiber genau anzuschauen, insbesondere die langfristige Instandhaltung der Infrastruktur.
Clemens Riha: Ich würde das genauso vorsichtig formulieren: Das Konzept überzeugt mich, aber ich möchte keine einzelnen Objekte empfehlen, die ich nicht selbst im Detail geprüft habe. Interessenten empfehle ich immer, sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen und auf Referenzen und Eigentümerstruktur der Marina zu achten.
BOOT Online: Neben der Luxusimmobilie am Meer ist für Bootsbesitzer kleinerer Motorboote auch eine Immobilie an österreichischen, deutschen oder Schweizer Seen attraktiv. Wie schwer ist es, beides sinnvoll zu ergänzen (Stichwort Lizenz für Boote am See)?
Bernhard Riha: Das ist grundsätzlich gut kombinierbar, man muss aber die regionalen Unterschiede kennen. Bootsführerschein-Pflichten, Motorleistungsgrenzen und Zulassungsregeln unterscheiden sich von See zu See und von Land zu Land teilweise deutlich, und das sollte man vor dem Immobilienkauf klären, nicht danach.
Clemens Riha: Genau, aus unserer Erfahrung lohnt es sich, das Thema Bootslizenz und Zulassung von Anfang an mitzudenken, wenn man eine Immobilie am See sucht. Manche Seen sind bei kleineren Motorleistungen sogar führerscheinfrei, andere sehr streng reguliert – das kann die Standortwahl am Ende genauso beeinflussen wie der Grundstückspreis.
BOOT Online: Ist das Wohnen auf einer Luxusyacht tatsächlich billiger als das Immobilien-Eigentum am Wasser?
Bernhard Riha: Auf den ersten Blick klingt das oft so, weil der Kaufpreis einer Yacht niedriger wirkt als eine vergleichbare Wasserlage-Immobilie. Rechnet man aber laufende Kosten wie Liegeplatz, Wartung, Crew und Wertverlust mit ein, gleicht sich das meistens deutlich an oder kehrt sich sogar um – Immobilien verlieren an guten Lagen in der Regel nicht so stark an Wert wie eine Yacht.
Clemens Riha: Aus unserer Immobiliensicht würde ich sagen: Kurzfristig kann eine Yacht günstiger wirken, langfristig ist Grund und Boden an guten Wasserlagen meist die stabilere und wertbeständigere Entscheidung. Am Ende ist es aber auch eine Lebensstilfrage, nicht nur eine reine Kostenrechnung.
